5
(1)

On Top of Europe – Year 5 – Torre (Portugal)

Es sind nicht mehr viele Gipfel auf meiner Liste übrig – genauer gesagt die höchsten Gipfel jedes europäischen Landes.

Nach meiner Tour in Spanien, bei der ich den Mulhacén bestiegen hatte, bin ich in Porto gelandet. Von dort wollten wir zunächst gemeinsam nach Loriga fahren, dort übernachten und am nächsten Morgen sollte ich allein zum Gipfel aufbrechen. Meine Cousine hatte von den letzten Touren inzwischen genug und wollte sich lieber eine Pause gönnen.

Der Plan klang zunächst ziemlich einfach. Leider sollte es nicht ganz so unkompliziert bleiben.

Das erste Problem war, dass wir unsere geplante Verbindung nach Loriga nicht erreichen konnten. Glücklicherweise gab es noch eine alternative Möglichkeit: Mit dem Bus ging es zunächst nach Seia und von dort weiter mit dem Taxi nach Loriga – für stolze 30 Euro.

Irgendwann hatten wir es dann geschafft. Wir fanden unsere Ferienwohnung, konnten uns kurz entspannen und zumindest ein wenig erholen. Allerdings lagen wir inzwischen deutlich hinter unserem ursprünglichen Zeitplan. Eigentlich war vorgesehen gewesen, Loriga zu erreichen und noch am selben Tag die Tour zum Gipfel zu beginnen.

Das war problematisch, denn wir hatten die Unterkunft nur für eine Nacht gebucht. Deshalb musste ich umplanen. Meine Entscheidung: Am nächsten Morgen allein die ungefähr 22 Kilometer lange Strecke zum Gipfel und wieder zurück zu machen und anschließend noch den Bus um 14:30 Uhr Richtung Lissabon zu erwischen.

Also hieß es früh aufstehen.

Gegen 2 Uhr morgens stand ich auf und bereitete mich schnell vor. Um 3:30 Uhr war ich bereits unterwegs – mitten in der Dunkelheit.

Nach ungefähr 30 Minuten hatte ich das Dorf hinter mir gelassen. Dann entschied ich mich allerdings für eine zweistündige Pause. Ich wollte nicht unbedingt die gesamte Strecke durch die Nacht laufen und hätte die Tour an diesem Punkt beinahe sogar abgebrochen.

Dafür gab es zwei Gründe:

1. Die Dunkelheit und die Schäferhunde

Es war komplett dunkel und entlang der Route gibt es mehrere Bereiche, in denen man auf frei laufende Schafe treffen kann. Und wo Schafe frei unterwegs sind, sind normalerweise auch die entsprechenden Herdenschutzhunde nicht weit – und davon oft nicht nur einer oder zwei.

Nachts wollte ich eine Begegnung mit mehreren großen Hunden definitiv vermeiden. Ich bin auf meinen Touren schon mehr als einmal von Hunden angegriffen worden und hatte ehrlich gesagt keine Lust, dieses Erlebnis noch einmal zu wiederholen.

2. Der Zeitpunkt des Gipfelbesuchs

Wenn ich so früh weitergelaufen wäre, hätte ich den Gipfel entweder kurz nach Sonnenaufgang oder sogar noch im Dunkeln erreicht. Das wollte ich ebenfalls vermeiden. Schließlich hätte ich danach lange warten müssen, bis die Geschäfte am Gipfel öffnen.

Und ja – Geschäfte direkt am Gipfel.

Der Torre ist mit dem Auto erreichbar, und rund um den Gipfel gibt es mehrere Shops. Ich wollte dort unbedingt noch ein paar Souvenirs kaufen. Also war eine kleine Zwangspause vielleicht gar nicht so schlecht.

Und so vergingen zwei Stunden.

Gegen 6 Uhr begann meine eigentliche Tour.

Zunächst führte der Weg über einen Waldweg, der stellenweise ziemlich steil war. Kurz darauf wurde die Landschaft offener und die ersten Büsche tauchten auf. Von dort ging es über einen kleinen Bergweg weiter in Richtung Abrigo de Pastores.

Jetzt war es bereits hell und ich konnte die Landschaft und meine Umgebung endlich richtig sehen. Und die Gegend hat mir wirklich sehr gut gefallen. Auch der Weg selbst war abwechslungsreich. Hier und da musste ich sogar auf allen vieren weiterklettern – genau mein Ding.

Weiter ging es in Richtung Garganta de Loriga. Die Route führte durch mehrere Täler, die auf allen Seiten von hohen, imposanten Felswänden eingeschlossen waren.

Selbst im August gibt es hier noch kleine Wasserquellen. An einigen davon konnten sich Schafe und Ziegen abkühlen und ihren Durst stillen.

Die ganze Zeit war ich vollkommen allein unterwegs. Ich traf auf der gesamten Strecke niemanden.

Gegen 9 Uhr erreichte ich schließlich die Albufeira de Covão do Meio. Dabei handelt es sich um einen schönen Stausee beziehungsweise eine Talsperre – leider war davon zu diesem Zeitpunkt aufgrund des niedrigen Wasserstands nur noch relativ wenig Wasser zu sehen.

Hier musste ich zunächst die Treppen hinaufsteigen, um die Staumauer zu überwinden. Danach führte mein Weg um den See herum. Dieser Abschnitt war vergleichsweise einfach und schnell geschafft.

Jetzt begann der letzte Teil in Richtung Torre.

Der Weg führte über große Felsblöcke und durch teilweise dichtes Buschwerk immer weiter nach oben. Dieser Abschnitt hat richtig Spaß gemacht. Wieder tauchten einige kleine Seen auf und schließlich kam der letzte Anstieg.

In der Ferne konnte ich bereits den Torre erkennen.

Gegen 10 Uhr hatte ich es geschafft.

Jetzt war endlich Zeit für eine ordentliche Pause: Bilder machen, die Aussicht genießen und natürlich Souvenirs kaufen.

Die Aussicht vom Gipfel ist wirklich beeindruckend – und zwar in praktisch alle Richtungen. Bei dem guten Wetter konnte ich unglaublich weit über die Landschaft blicken.

Der Gipfelbereich selbst ist sehr weitläufig und bietet erstaunlich viel Platz. In der Mitte steht die große Gipfelpyramide, die den höchsten Punkt markiert.

Natürlich waren hier inzwischen viele Menschen unterwegs. Die meisten waren mit dem Auto oder mit dem Bus gekommen, denn der Gipfel ist direkt erreichbar.

Was mich allerdings etwas überrascht hat: Ich habe niemanden gesehen, der tatsächlich bis zur Gipfelpyramide gegangen ist, um dort Fotos zu machen – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich selbst dort angekommen bin.

Interessant.

Um 11:20 Uhr verließ ich schließlich den Gipfelbereich.

Jetzt musste ich allerdings Gas geben.

Mir blieben nur ungefähr drei Stunden, um die elf Kilometer lange Offroad-Strecke zurück nach Loriga zu bewältigen. Obwohl ich mich wirklich beeilte, hatte ich unterwegs immer wieder das Gefühl, dass noch unglaublich viel Strecke vor mir lag.

Die Zeit wurde knapp.

Als ich schließlich Loriga in der Ferne sehen konnte, hatte ich nur noch ungefähr eine Stunde übrig. Noch ein Stück weiter und ich erreichte wieder den Waldweg – endlich kein Offroad mehr.

Ab hier begann ich, teilweise zu joggen.

Und tatsächlich: Ich schaffte es sogar, ungefähr 30 Minuten früher an der Ferienwohnung anzukommen als geplant.

Meine Cousine wartete bereits mit dem Gepäck auf mich. Für mich blieb nur noch kurz Zeit, mich für die Weiterreise fertig zu machen.

Es war wieder einmal eine ziemlich adrenalinreiche Tour – mit wenig Schlaf, Zeitdruck, Dunkelheit, Felsen, Buschwerk, Offroad-Passagen und am Ende sogar etwas Joggen. Genau solche Touren bleiben mir am Ende meistens am besten im Gedächtnis.

Und obwohl der Start alles andere als nach Plan lief, hat mir diese Tour richtig gut gefallen.

Jetzt geht es weiter nach Lissabon und anschließend zum Cabo da Roca.

Hier findet man weitere Touren dieser Serie.

Genaue Beschreibung der Route auf Komoot.

Hier kommt ein Video auf Youtube.

Auf Instagram.

Mehr über meine Aktivitäten auf Facebook.

Wie gefällt dir den Beitrag?

Drucke auf einen Stern, um eine Bewertung zu geben!

Durchschnittliche Bewertung 5 / 5. Bewertungen: 1

Bis jetzt gibt es keine Bewertungen! Sei der Erste, der eine Bewertung gibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert