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Die Turmjagd – Teil 39 – mit 6 Türmen und 2 Burgruinen

Manchmal sind es die spontanen Entscheidungen, die den größten Reiz einer Reise ausmachen. Ursprünglich hatte ich eine andere Route geplant, doch am Ende wurde es eine abenteuerliche Radtour durch den Harz mit sechs Türmen und zwei Burgen: Keiserturm, Bismarckturm Harburg, Horstbergwarte, Ausbergturm, Burg Heimburg, Burg und Festung Regenstein, Bismarckturm Halberstadt und der Aussichtsturm Heinrichshöhe/Belvedere. Eine Strecke voller Höhen und Tiefen – im wahrsten Sinne des Wortes. Und so fängt Die Turmjagd – Teil 39 – mit 6 Türmen und 2 Burgruinen an.


Der frühe Start

Es ist Samstagmorgen, kurz vor fünf Uhr. Der Wecker klingelt und obwohl mir der Schlaf noch schwer in den Knochen liegt, weiß ich: Heute wartet ein besonderer Tag. Das frühe Aufstehen gehört bei solchen Touren einfach dazu. Zuerst der Zug von Hannover nach Wernigerode, dann viele Kilometer im Sattel, und am Ende wieder zurück – ein langer, aber lohnender Weg.

Um 6:55 Uhr verlässt mein Regionalzug Hannover, gegen 9:30 Uhr komme ich in Wernigerode an. Nach einem kurzen Einkauf für Proviant und einem kleinen Frühstück kann es losgehen. Der Nebel hängt noch in der Luft, die Stadt schläft halb, und ich steige voller Vorfreude auf mein Rad.


Keiserturm – ein steinernes Tor zum Tag

Die ersten Kilometer führen mich durch die engen Straßen von Wernigerode hinaus. Etwa 4,5 km sind es bis zum Keiserturm. Die Strecke beginnt harmlos, doch schon bald spüre ich den Anstieg. Asphalt wechselt in Waldweg, meine Gänge wandern von der fünften in die dritte und schließlich zweite Stufe.

Dann stehe ich vor dem Turm: massiv, aus Stein, umgeben von Wald. Daneben eine Bank und ein Tisch – ein Ort, der trotz seiner Schlichtheit Ruhe ausstrahlt. Der Eingang ist klein, die Steintreppe steil, feucht, dunkel. Nur spärlich fällt Licht durch winzige Fenster. Doch oben angekommen, öffnet sich eine Glasstür und ich trete hinaus auf die schmale Aussichtsplattform.

Der Nebel nimmt mir die weite Sicht, und doch liegt eine besondere Stimmung über der Landschaft. Es ist still, geheimnisvoll, fast feierlich. Der Keiserturm ist ein perfekter Auftakt – ein Ort, der dich zwingt, bewusst anzukommen.


Bismarckturm Harburg – ein Turm aus Holz

Nur wenige hundert Meter weiter beginnt der Weg zum Bismarckturm Harburg. Die Strecke ist kurz, führt aber über schmale Waldpfade. Für Wanderer wunderbar, für Radfahrer stellenweise eine Herausforderung. Bergab ist es fahrbar, bergauf fast unmöglich.

Am Ende des Waldes treffe ich auf eine steile Asphaltstraße, die mich direkt zum Turm führt. Überraschung: Im Gegensatz zum steinernen Keiserturm steht hier ein hölzerner Bismarckturm, mit drei Ebenen, die über Metaltreppen verbunden sind. Oben angekommen, öffnet sich der Blick Richtung Schloss Wernigerode und zurück zum Keiserturm.

Die Holzkonstruktion wirkt ungewöhnlich und charmant zugleich. Auch wenn es keine Informationstafeln gibt, ist dieser Turm ein spannender Kontrast. Kurzes Gespräch mit einem anderen Besucher, ein Lächeln, ein paar Fotos – dann geht es weiter.


Horstbergwarte – ein unerwarteter Abstecher

Eigentlich sollte mein nächstes Ziel der Ausbergturm sein. Doch als ich in der Ferne die Horstbergwarte entdecke, ändere ich spontan meine Route. Ein kleiner Umweg – und eine große Herausforderung. Der Weg hinauf ist steil, eng, kaum breiter als eine Person. Das nasse Buschwerk links und rechts sorgt für zusätzliche Erfrischung.

Oben angekommen, stehe ich vor einer Ruine. Nur die Hälfte der Warte ist erhalten, besteigen lässt sie sich nicht. Und doch: Das steinerne Fundament wirkt massiv, die Sicht ist trotz fehlender Plattform beeindruckend. Ich atme durch, genieße die Ruhe und mache ein paar Fotos.

Auf der Rückfahrt nehme ich den offiziellen Weg – deutlich angenehmer. Und so wird die Horstbergwarte zu einem kleinen Abenteuer am Rande der geplanten Route.


Ausbergturm – ein Turm über den Baumwipfeln

Nach etwa fünf Kilometern erreiche ich den Ausbergturm. Von weitem sichtbar, thront er auf einem Hügel über der Baumgrenze. Der Weg dorthin ist abwechslungsreich: Asphalt, Felder, dann Wald. Steil, wurzelbedeckt, herausfordernd. Doch der Aufstieg lohnt sich.

Am Turm angekommen, finde ich eine Stempelstation, Bänke und Tische. Der Turm selbst ist aus Stein gebaut, 44 Stufen führen nach oben. Auf jeder Treppenstufe sind kleine Plaketten mit Firmennamen angebracht – Sponsoren, die den Erhalt ermöglicht haben.

Von oben eröffnet sich ein 360-Grad-Blick über das Land. In jede Richtung weisen kleine Tafeln auf Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten hin. Ich bleibe länger, treffe eine Familie, die wie ich auch Burgen Heimburg und Regenstein besuchen will. Es ist schön, Weggefährten zu finden – wenn auch nur für einen Moment.


Burg Heimburg – ein stiller Ort mit Potenzial

Die Fahrt nach Heimburg ist angenehm, meist bergab. Doch die Orientierung in der Stadt ist knifflig: Der Weg zur Burg ist schmal, versteckt und am Ende sehr steil.

Oben angekommen, stehe ich vor einer Ruine. Viel ist nicht erhalten, nur eine Aussichtsplattform mit einem Tisch. Es fehlen Informationstafeln, Sitzmöglichkeiten, vielleicht ein Hinweis auf die Geschichte des Ortes.

Und doch liegt hier ein eigener Zauber. Der Blick über das Land ist ruhig und friedlich. Ein Ort, an dem Stille stärker wirkt als jede touristische Aufbereitung.


Burg und Festung Regenstein – ein Sprung in die Vergangenheit

Sieben Kilometer weiter wartet ein Höhepunkt der Tour: die Burg und Festung Regenstein. Unterwegs setzt leichter Regen ein, für einen Moment zweifle ich, ob ich abbrechen muss. Doch nach zehn Minuten klart es wieder auf.

Am Parkplatz stelle ich mein Rad ab und wandere durch den Wald zur Burg. Schon der erste Anblick – riesige Mauern, ein Tor wie aus einer anderen Zeit – zieht mich hinein. Für vier Euro Eintritt öffnet sich eine Welt aus Stein, Höhlen und Geschichte.

Ich verbringe hier fast zwei Stunden, obwohl ich eigentlich in Eile bin. Die Aussichtsplattform ganz oben bietet einen spektakulären Blick. Von hier wirkt die Welt winzig: Menschen unten im Wald sehen aus wie Figuren aus einer anderen Dimension.

Regenstein ist kein Ort für einen schnellen Stopp. Wer hierherkommt, sollte Zeit einplanen – und sich treiben lassen.


Bismarckturm Halberstadt – ein verstecktes Juwel

Die nächste Etappe führt mich etwa 13 Kilometer durch den Wald nach Halberstadt. Die Strecke ist herrlich: bergab, fließend, ruhig. Zunächst treffe ich noch Besucher der Burg, doch schon bald bin ich allein unterwegs.

Am Ende des Weges erreiche ich einen kleinen Parkplatz. Kein Schild weist darauf hin, dass hier ein Bismarckturm steht. Nur wer es weiß, findet den Weg – 500 Meter durch den Wald.

Dann erscheint der Turm: rund, massiv, aus Stein. Vor ihm breite Stufen, daneben der schmale Pfad. Ich treffe eine Familie, wir kommen ins Gespräch – fast zwei Stunden reden wir über Reisen, Geschichte und das Leben. Sie geben mir den Tipp, dass in der Nähe noch ein weiterer Turm verborgen liegt. Dankbar nehme ich die Information an, bevor sie weiterziehen.

Ich starte die Drohne, nehme ein paar Aufnahmen auf und fahre gegen Abend weiter.


Aussichtsturm Heinrichshöhe / Belvedere – das letzte Kapitel

Zurück durch den Wald, vorbei am Parkplatz, erreiche ich schließlich den Belvedere-Turm. Er steht etwas versteckt in einem Park, halb verborgen von Bäumen. Die Architektur ist interessant: mehrere Ebenen, allerdings nicht alle begehbar.

Da es schon spät ist, bleibe ich nur kurz, mache Fotos aus verschiedenen Winkeln und atme ein letztes Mal die klare Luft des Harzes ein. Danach geht es bergab nach Halberstadt.

Genaue Beschreibung der Route auf Komoot.

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